Der traurige Koffer
Er hatte sich so sehr auf die große Reise gefreut. Endlich einmal wieder etwas Anderes, als das langweilige Dasein, oder besser gesagt, daliegen müssen auf dem Kleiderschrank seines Besitzers…
Der Staub haftete ihm vom längeren Liegen an, und er war froh, sich dessen bald entledigen zu können.
Ab in die Sonne sollte es gehen, in die Ferne, in ein anderes Land.
Wie lange war es her, seitdem er an der Seite von Paulchen, seinem Besitzer, den Urlaub verbracht hatte.
Noch sah sich der Koffer nicht am Check-In-Schalter des Flughafens, an dem er aufgegeben werden sollte…
Ja, seit dem letzten Urlaub war wirklich viel Zeit vergangen, und der Koffer musste mit großer Traurigkeit feststellen, dass er seine letzten “Ausflüge” nur noch in Krankenhäusern verbrachte…
Andere Koffer sahen die Sonne, er befand sich gequetscht in der Dunkelheit des Krankenzimmerspinds…
Andere Koffer lauschten des Abends den Gesprächen ihrer Besitzer beim Wein über den wunderschönen Tag, den sie wieder einmal am Strand verbachten, oder es ging um die Sehenswürdigkeiten und das leckere Essen.
Er jedoch bekam das Elend, die schlaflosen Nächte der schmerzgeplagten Besitzer seiner Mit-Kofferkameraden, Gespräche in Visiten und das Beklagen über das Menü am Mittag, welches unberührt den Rücktritt antrat, mit.
Doch…DIESES MAL sollte alles anders sein…dieses Mal, sollte auch er die Sonne sehen…
Alles sollte WIEDER einmal anders kommen…es war, als sei sein Leben nur nach auf dem Schrank liegen zu müssen und Krankenhausbesuchen ausgerichtet.
Und dann klingelte das Telefon… es war das Krankenhaus, welches mitteilte, dass nun endlich das von Paulchens Arzt georderte Bett zur Verfügung stehen würde…
…zuvor aber doch noch ruhig die Reise in den Süden angetreten werden könne…
(c) by B.D.